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Wie sinnvoll sind eigentlich Streitereien?

Veröffentlicht am June 29th, 2014

Warum wird eigentlich so viel gestritten? Und warum wird so oft prozessiert? Wenn man sich allein die Nachbarschaftsstreitigkeiten in Deutschland anschaut, so landen von diesen jährlich etwa 400 Tsd. vor Gericht.

Egal, ob vor Gericht ausgetragen oder nicht …- hinter all den Streitigkeiten steckt einzig und allein der Wunsch, Recht zu bekommen. Gemäß der persönlichen Landkarte – also aufgrund der eigenen Erfahrungen, Sichtweisen und Glaubenssätze – beansprucht im Endeffekt jeder das Recht für sich. Und mit Blick auf die eigene Landkarte muss der Andere oder gar die Allgemeinheit das doch genauso sehen wie wir … Wir gehen in den Augenblicken davon aus, dass unsere rein subjektiv geprägte Wahrheit somit eine oder genauer gesagt die objektive Wahrheit ist.

Aber existiert eigentlich eine objektive Wahrheit? Oder sind Wahrheiten aufgrund der unterschiedlichen Sichtweisen immer und zwangsläufig subjektiver Natur? Nun könnte der werte Leser hier einwerfen, dass es doch auch naturwissenschaftliche Fakten gibt, deren Wahrheitsgehalt allgemein anerkannt ist und somit einer objektiven Wahrheit entspricht. Aber schauen wir uns die Fakten doch mal an … Entsprechend des geozentrischen Weltbildes der katholischen Kirche drehte sich die Sonne bis ins 16./17. Jahrhundert um die Erde. Erst Kopernikus und Galileo Galilei haben diese Sichtweise in Frage gestellt und letztendlich nachgewiesen, dass sich die Erde letztendlich um die Sonne dreht. Dabei wissen wir heute, dass sich die Erde gar nicht um die Sonne dreht, sondern beide sich um einen gemeinsamen Schwerpunkt drehen. Aufgrund der sehr viel größeren Sonnenmasse fällt das aber praktisch nicht ins Gewicht. In der Zeit vor Kopernikus und Galilei haben nicht zuletzt auf Druck der katholischen Kirche sehr viele subjektive Wahrheiten miteinander korreliert; letztendlich unterlagen aber alle einem gemeinsamen Trugschluss, so dass sich die eigentlich objektive Wahrheit im Laufe der Zeit durch neue Erkenntnisse als unwahr dargestellt hat. Ähnlich verhält es sich um die jahrhundertelange Behauptung, dass die Erde eine Scheibe sei. Bereits die alten Griechen hatten in Person von Pythagoras etwa 600 v. Chr. den Beweis angetreten, dass es sich bei der Erde um eine Kugel handeln muss; dennoch hielt sich die “Wahrheit” von der Scheibe über gut 2000 Jahre. Diese Aufzählung ließe sich sicherlich beliebig fortsetzen.

Wenn wir erst einmal verstanden und akzeptiert haben, dass es keine objektive Wahrheit gibt, stellt sich zumindest mir die Frage, wie sinnvoll dann Streitigkeiten sind? Anwälte und Richter verdienen sicherlich ihr Geld damit, aber ansonsten …

Bevor wir uns also das nächste Mal streiten oder gar prozessieren, sollten wir uns vorher die Subjektivität unserer Wahrheit vor Augen führen und im Idealfall erkennen, dass der Andere über eine ebenso subjektiv geprägte Wahrheit aufgrund seiner Vorgeschichte verfügt.

Klaus Linten