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Warum leiden Menschen unter Stress? – Teil II

Veröffentlicht am April 29th, 2015

Was der Mensch als stressig erlebt, hängt in erster Linie von seiner Persönlichkeit ab. Bei Arbeit und Stress handelt es sich somit nicht unbedingt um ein Konstrukt von Ursache und Wirkung. Ein hohes Arbeitspensum, Leistungs- und Zeitdruck führen nicht automatisch zu einem Gefühl der Überforderung und somit zu negativem Stress.

Ob jemand Arbeit als positiven oder negativen und damit gesundheitsgefährdenden Stress empfindet, hängt somit immer von seinen persönlichen Faktoren ab.

Diese Faktoren können äußerer oder innerer Art sein. Zu den erstgenannten Faktoren gehören zum Beispiel ein Überangebot an Reizen, Lärm oder auch eine falsche Sitzhaltung und führen nur selten zu einer negativen Stressbelastung am Arbeitsplatz. Bedeutend wichtiger für ein negatives Stressempfinden sind die inneren Faktoren und somit die eigene Haltung zu unseren Lebens- und Arbeitsbedingungen. Hierzu gehören unter anderem die Angst vor Verantwortung oder Ablehnung, unzureichendes Zeitmanagement, mangelnde Delegationsfähigkeit, perfektionistische Anforderungen an uns selbst, ein wenig ausgeprägtes Selbstwertgefühl oder auch das Nicht-Nein-sagen-können.

Diese inneren Faktoren in Verbindung mit bestimmten Denkgewohnheiten – im Coaching sind diese zum Beispiel als die fünf inneren Antreiber beschrieben – führen dann zwangsläufig zu Stress. Typische Denkgewohnheiten in diese Richtung sind beispielsweise:

– Ich muss alles hundertprozentig machen und zudem noch heute erledigen.

– Ich muss alles erledigen, was andere an mich herantragen.

– Ich muss es immer allen Recht machen.

– Ich darf keine Fehler machen.

– Ich schaffe das alles nicht.

– Ich muss alles (Arbeit, Familie, Freunde, Hobbies) unter einen Hut bekommen.

– Ich darf mir keine Erholungsphasen gönnen und darf auch nicht abschalten.

– Ich muss immer erreichbar sein.

Derartige Denkweisen bzw. Selbstgespräche führen in aller Regel zu Stress, da sich diese Personen unter extremen Druck setzen und diesem Druck nicht gerecht werden können. Sie überfordern sich selbst, da Sie sich permanent einreden, stark sein und alles perfekt und schnell erledigen zu müssen.

Fühlt sich jemand einer Situation gewachsen, wächst einem eine Situation nicht über den Kopf. Und hat dieser Jemand das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben, wird es zu keinem negativen Stress kommen. Hat diese Person im umgekehrten Fall aber das Gefühl, dass ihr alles über den Kopf wächst und dass sie fremdbestimmt ist, stellt sich Überforderung ein. Die zugehörige Situation wird dann zwangsläufig als stressig angesehen.

Eine erfolgreiche Stressbewältigung setzt an zwei Punkten an:

– an unserem Umgang mit Stressoren und Pflichten

– an den Stressreaktionen unseres Körpers.

Zum einen helfen zum Stressabbau (regelmäßige) körperliche Bewegung, aber auch alle Formen von Atem- und Entspannungsübungen. ACHTUNG: Sich auf die Couch legen und sich vom Fernsehen berieseln zu lassen gehört zu den passiven Entspannungsmethoden und ist für einen Stressabbau NICHT geeignet!

Des Weiteren kann der Stress durch eine Veränderung der Denkmuster abgebaut und über die Zeit deutlich reduziert und auf Dauer sogar gänzlich vermieden werden. Da diese Denkgewohnheiten aber auf die eigenen Glaubenssätze und Wertesysteme zurückgehen und sich oftmals in Form von inneren Antreibern zeigen, empfehle ich hier, sich ganz bewusst Hilfe zu holen – zum Beispiel bei einem Coach. Wenn jemand  den Antreiber hat, es allen Recht machen zu müssen, hilft es hier nicht, sich selbst die Erlaubnis zu geben, mehr auf sich selbst zu achten und die Wünsche / Forderungen der anderen nicht mehr in den Mittelpunkt des eigenen Handelns zu stellen. Derartige Denkmuster existieren für den Coachee in der Regel seit dessen Kindheit und sind diesem so in Fleisch und Blut übergegangen, dass er sie oftmals gar nicht als Antreiber erkennt. Zudem haben sie sich über die Jahre und Jahrzehnte derart stark eingebrannt, dass das Aufbrechen dieser Denkstrukturen stärkere Geschütze erfordert als die eigene Formulierung einer entsprechenden Erlaubnis. Ein Coach kann Sie in einem solchen Prozess aktiv und erfolgreich unterstützen!

Klaus Linten